Protokoll vom 8. Januar 2008

Die Sitzung wird geleitet von Özlem Ünsal.

Top 1: Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit

Frau Ünsal begrüßt die Mitglieder und Gäste des Forums. Die Beschlussfähigkeit ist gegeben.

Top 2: Genehmigung der Tagesordnung

Unter dem Top „Sonstiges“ möchte sich der Kreiselternbeirat vorstellen. Es gibt keine Einwände.

Top 3: Protokoll der Sitzung am 11. Dezember 2007

Es gibt keine Änderungswünsche oder Anmerkungen.

Top 4: Termine

  • 3. Februar, 11.00 – 17.00 Uhr: Ehrenamtsmesse im Rathaus (Flyer liegen aus).
  • 16. Februar, 10.00 – 16.00 Uhr. Europa Union, Faluner Weg: Tagesseminar „Chancengleichheit für alle – Wunsch oder Wirklichkeit“. Eine gemeinsame Veranstaltung des Forums, der AKA und der Europa-Union. Einladungsflyer werden noch versandt.

Top 5: Bericht des Vorstands und der Geschäftsführung

Bericht des Vorstands:
Die Vorbereitungen für die Veranstaltung zu Entwicklungspartnerschaften laufen planmäßig. Diese Veranstaltung findet statt anstelle der Februar-Sitzung des Forums.

Bericht der Geschäftsführung:
Die sozialpolitischen Sprecher/innen der Ratsfraktionen wurden informiert, dass das Forum sich erst in der März-Sitzung mit dem Integrationsbericht befassen kann und um Verständnis gebeten.

Top 6: Das neue Schulwesen in Schleswig-Holstein – Änderungen im Schulgesetz und ihre Auswirkungen auf die Schulauswahl

Frau Ünsal begrüßt Herrn Stargardt aus dem Ministerium für Bildung und Frauen des Landes Schleswig-Holstein. Herr Stargardt ist stellvertretender Referatsleiter und unter anderem zuständig für die Fachaufsicht Förderzentren, Interkulturelle Bildung und Erziehung und oberste Schulaufsicht und hat damit eine Querschnittaufgabe übernommen.

Die Präsentation von Herrn Stargardt ist dem Protokoll beigefügt.

Nach einem Einstieg zur demografischen Entwicklung, die aufzeigt, dass die Schülerzahl in Schleswig-Holstein insgesamt zurückgeht, aber die Zahl der Schüler/innen mit Migrationshintergrund steigt, zeigt Herr Stargardt die geplanten Schritte für eine stärkere Bildungsgerechtigkeit auf. Er betont, dass ein großes Problem sei, dass Schüler/innen ohne Deutschkenntnisse automatisch in die Hauptschulen geschickt würden. Es müsse erreicht werden, dass an jeder Schule, die für das entsprechende Kind in Frage komme, Sprachfördermöglichkeiten vorhanden seien. In jedem Kreis, in jeder kreisfreien Stadt sollen Ansprechpartner für Deutsch als Zweitsprache eingerichtet werden. Zudem sollen Grundlagen für Deutsch als Zweitsprache geschaffen werden. Geplant ist ebenfalls eine inhaltliche Weiterentwicklung und Systematisierung der DaZ-Zentren (DaZ: Deutsch als Zweitsprache).

An den Vortrag von Herrn Stargardt schließt sich eine intensive Diskussion an.

Von einem Gast wird festgestellt, dass viele Probleme in den Familien lägen und es für die Schule schwer sei, sie zu erreichen. Herr Stargardt misst dem Beitrag der Schule große Bedeutung bei und sieht hier auch eine Verpflichtung. Um Kontakt zu den Elternhäusern herzustellen, wenden sie sich auch an z. B. türkische Vereine und Verbände.

Aus dem Forum wird kritisch bemerkt, dass die jetzigen Maßnahmen bereits vor 8 Jahren aus der sozialen Arbeit heraus gefordert wurden, dass die Realisierung aber begrüßt wird. Geraten wird, die DaZ-Zentren mit den Jugendmigrationsdiensten zu vernetzen, da hier ein guter Zugang zu den Familien vorhanden sei. Angeregt wird weiterhin, verbindliche Ganztagsschulen in den sozialen Brennpunkten einzurichten. Herr Stargardt weist auf einen Beschluss hin, dass die gebundene Ganztagsschule kommen werde und der Bereich Migration hier eine wichtige Rolle spiele. Für Kiel ist die Hans-Christian-Andersen-Schule dafür in der Planung.

Herr Stargardt geht noch einmal ein auf das Problem einer bisher nicht abgestimmten systematischen Deutschförderung. Zukünftig soll die Deutschförderung nicht begleitend, sondern als vollständiger Unterricht mit 25 Wochenstunden durchgeführt werden. Dabei sei nicht beabsichtigt, ausschließlich Deutsch zu pauken, sondern eine inhaltlich sinnvolle Vorbereitung auf die Anschlussschule zu leisten. Auf welchen Schultyp die Schülerin/ der Schüler dann weitergehe, werde im Anschluss von Fachleuten entschieden. Wichtig hierfür ist die Ausstattung der dann betroffenen Schulen mit genügend Lehrkräften für eine weiterführende Förderung für Deutsch als Zweitsprache.

Festgehalten wird, dass es eine Koppelung von Aufenthaltsstatus und Schulbesuch nicht gibt. Herr Cassel, Leiter der Ausländerbehörde, weist darüber hinaus darauf hin, dass die Schulleitungen nicht verpflichtet sind, nicht einmal befugt, nach dem Aufenthaltsstatus zu fragen. Bei der Aufnahme wird nur der Namen und die Wohnung festgehalten.

Aus dem Forum werden Fragen gestellt zur Einstellung von Lehrerinnen mit Migrationshintergrund in den Schuldienst und zum muttersprachlichen Unterricht. Herr Stargardt erklärt, dass ein Abweichen der Anerkennung von Bildungsabschlüssen eher schwierig sei für das Land. Wenn die stärkere Einbeziehung von Migrantinnen und Migranten aber ernst gemeint sei, müssten auch Nicht-Muttersprachler eine Chance haben und dürfe nicht das Muttersprachenniveau zwingende Voraussetzung sein. Schließlich brächten die Migrant/innen andere Qualitäten mit, die gerade für Schulen in Brennpunkten von großem Nutzen sein könnten. Ergänzt wird in diesem Zusammenhang, dass Lehrer/innen aus den GUS-Staaten dort als „Ein-Fach-Lehrer/innen“ ausgebildet wurden und hier ein zweites Fach studieren müssten, um anerkannt zu werden. Dies lässt die persönliche Lebenssituationen der Migrant/innen meist nicht zu.

Herr Stargardt räumt ein, dass der Bereich muttersprachlicher Unterricht derzeit nicht im Zentrum der Planungen liegt, dass aber Überlegungen dazu vorgenommen werden sollten.

Zur Deutschförderung wird angemerkt, dass die Maßnahmen in den Kitas nicht ausreichen, sondern auch die Eltern gefordert sind, damit die Kinder einen guten Start in der Schule haben. Die Sprint-Maßnahmen kurz vor der Einschulung setzen zu spät an, daher wird zurzeit landesweit Geld zur Verfügung gestellt, die Kinder bei Eintritt in die Kita zu fördern. Klar sei, dass die Eltern mit ins Boot geholt werden müssten. Hierfür werde schon viel getan, auch im Kontakt mit Vereinen, es reicht jedoch nicht aus. Immer noch kommen die Eltern selten zu den Elternabenden, insbesondere die Väter könne man kaum erreichen.

Der Forums-Vorstand sagt zu, dass Thema „Väter“ wieder aufzugreifen.

Gefragt wird aus dem Forum, was getan werde, um Lehrkräfte in interkultureller Kompetenz zu stärken. Herr Stargardt weist auf die Merkator-Stiftung hin, mit der Studierende von Hochschulen, auch der FH für Sozialpädagogik, engagiert werden, um zusätzlichen Sprachunterricht anzubieten. Er würde es begrüßen, wenn es gelänge, mehr Menschen mit entsprechenden Biografien an die Schulen zu bekommen, hier stiegen die Chancen allerdings in der nächsten Zeit durch die steigenden Zahlen bei Migrantenkindern. Aus dem Forum wird noch einmal betont, wie wichtig interkulturelle Kompetenz bei Lehrkräften ist, um Kinder richtig einschätzen zu können und nicht nur ihre Deutschkenntnisse zugrunde zu legen. Bei Polizei und Zoll stünde die interkulturelle Kompetenz auf der Tagesordnung, sie sollte auch bei Lehrer/innen eine Selbstverständlichkeit sein.

Die Vorsitzende dankt Herrn Stargardt für seine umfangreichen Informationen und bittet darum, seine Präsentation für das Protokoll zu bekommen. Eine Freigabe kann Herr Stargardt erst nach einem Treffen mit den Schulrät/innen am 7. Februar zusagen. Daher wird vereinbart, das Protokoll erst zur März-Sitzung mitzuschicken.

Top 7: Teilnahme an Integrationskursen: Diskussion der Mitteilung aus dem Jobcenter

Da Herr Cassel anwesend ist, wird er angesprochen auf die Neuerungen bei den Integrationskursen. Er berichtet, dass das Kontingent für Integrationskurse im vergangenen Jahr nicht ausgeschöpft wurde. Mit den neuen Regelungen ist der Weg über die Ausländerbehörde für eine Verpflichtung zum Kurs nicht mehr nötig, auch die Jobcenter können nun Verpflichtungen aussprechen. Zudem ist eine stärkere Sanktionierung möglich.

Frau Dickhoff berichtet, dass das Jobcenter im Dezember die Träger von MAE-Maßnahmen (Ein-Euro-Jobs) zu einem Gespräch eingeladen habe, um über die Verknüpfung mit Sprachkursen zu sprechen. Mit den Trägern der Migrationsberatung, die über die Kooperationsvereinbarung mit dem Jobcenter beteiligt sind, ist bisher noch nicht über das Konzept diskutiert worden.

Birgit Lawrenz erklärt, dass das Jobcenter seine Bereitschaft geäußert habe, das Konzept im Forum näher zu erläutern, wenn dies gewünscht wird.

Top 8: Diskussion und Abstimmung zum neuen Flyer für das Forum

Zur Abstimmung liegen zwei verschiedene Entwürfe für den neuen Forums-Flyer als Tischvorlage vor. Nachdem kleinere Korrekturen zusammengetragen werden, wird abgestimmt. 10 Stimmen fallen auf den Entwurf mit dem Schriftzug im farbigen Feld auf dem Deckblatt, 7 Stimmen fallen auf den Entwurf mit dem Foto im farbigen Feld. Es gibt keine Enthaltungen. Für die „Siegervariante“ wird noch vereinbart, dass die farbigen Rahmen etwas breiter gestaltet werden.

Top 9: Informationen aus den Ausschüssen und Arbeitsgruppen

Ehrenamtsmesse: Für die Standbesetzung stehen Frau Heesch, Frau Siebke und Frau Krah zur Verfügung. Frau Ünsal erklärt, dass Frau Krah sich für diese Sitzung entschuldigt hat und dass sie bereit ist, zukünftig Kontakt zum Seniorenbeirat zu halten.

Top 10: Neue Mitglieder

Neues Mitglied ist Frau Inci Krah. Ausgeschieden ist Herr Scholtysik, da er auf Grund von Terminenge die Arbeit im Forum nicht fortführen kann.

Zum Umgang mit neuen Mitgliedschaften wird vereinbart, dass der Vorstand und die Geschäftsführung über die Antragstellung berät und die Mitgliedschaft dann wie bisher in den Sitzungen bekannt gegeben wird. Hier erhalten die neuen Mitglieder dann Gelegenheit, sich vorzustellen. Nur für den Fall, dass bei der Beratung eines neuen Antrags Uneinigkeit herrscht, wird im Forum selbst beraten.

Top 11: Sonstiges

Frau Bingöl stellt die Kreiselternvertretung der Kindertagesstätten in Kiel vor (KEV-Kiel). Eine Information ist dem Protokoll beigefügt. Sie berichtet, wie schwierig es sei, Migranteneltern hierfür zu gewinnen. Dabei sei es wichtig, dass sie als Eltern über ihre Rechte und Pflichten informiert würden, z. B. wenn Probleme mit dem pädagogischen Personal in den Kitas entstehen. Die Elternvertretung ist bereit, Eltern zu beraten, zu unterstützen und bei Bedarf auch zu schlichten. Frau Bingöl bittet das Forum, die Informationen an Bekannte und Nachbarn weiterzugeben. Gern steht sie für Fragen telefonisch zur Verfügung.

Es wird vereinbart, die Informationen mit dem Protokoll zu verschicken.

Birgit Lawrenz

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