Protokoll Anlagen vom 9. Dezember 2008

Als Standardsprache bezeichnet man heute (seit den 70er Jahren) das sogenannte „Hochdeutsch“, die überregionale, historisch legitimierte, mündliche und schriftliche Sprachform der sozialen Mittel bzw. Oberschicht, die die Funktion als öffentliches Verständigungsmittel inne hat und daher besonders weitgehender Normierung unterliegt (Schule / öffentliche Medien).

Umgangssprache hingegen umfasst einen großen, heterogenen Bereich zwischen Standardsprache und Dialekt-Formen und ist nicht eindeutig abgrenzbar.

Die Standardsprache hat immer die Spannung zwischen mündlicher und schriftlicher Form:

Der Spracherwerb der ersten Sprache vollzieht sich in der mündlichen Form, mit der Einschulung und dem Erlernen von Lesen und Schreiben tritt das Schriftliche in Verbindung mit den grammatischen Regularitäten in den Vordergrund (Wortarten usw.) und überdeckt ein Bewusstsein um die Lautlichkeit.

Nachfolgend gebe ich einige Beispiele, die uns klar machen sollen, dass es hinsichtlich der Buchstaben und Laute bei den Wörtern keine einfache 1: 1 –Beziehung gibt und dass ein großer Lernaufwand sowohl für die mündliche als auch die schriftliche Form zu leisten ist, was wir eigentlich kaum berücksichtigen.

Durch die Buchstaben des deutschen Alphabets:

Vokale – Langvokale / Kurzvokale / Diphthonge
Konsonanten – Besonderheiten bei Buchstaben / und Kombinationen
Betonung : bei Wörtern und Verschleifungen im Satzzusammenhang
Persönliche Schlussbemerkung

Aufgrund eigener Kontakte und Erfahrungen würde ich mir für viele, hier schon lange Jahre lebende Menschen mit Migrationshintergrund wünschen, dass es auch einige Alternativen zu den z.Zt. bestehenden Sprachkursen (BAMF für Neuzuwanderer) geben könnte:

angstfreie, individuelle Sprachförderung / Spracharbeit in kleinen, offenen Gruppen.

Die Migrantenvereine kennen ihre Leute und deren Probleme mit dem Erlernen / Weiterlernen des Deutschen am besten:

Eine Vernetzung insgesamt, ohne sich von der deutschen Bürokratie abhängig zu machen sowie Kleingruppenarbeit vor Ort wäre evtl. ein sinnvolles Projekt, was nicht nur zur Integration beiträgt, sondern auch individuellen Problemen wie:

Sprachlosigkeit, Fremdheitsgefühlen und Einsamkeit entgegen wirkt und Selbstbewusstsein stärken sowie Kontaktfreude schaffen könnte.

Brigitte Probst, Kiel, den 9. Dezember 2008

Zu den Vokal–Buchstaben a – e – i – o – u – ä – ö – ü

der Rasen – die Rasse – der Rahm – rammen –
der Saal / die Säle – schalten und walte
Esel ­– essen – dehnen – denen – denn – der See – den – selbst – selten
Igel – Tiger – ihnen – innen – in – sie – Sie – siegen ­­– Siehst du was? –
singen – die Sitte –die Sitzung – siezen – ihre
die Oder – oder – ohne – das Boot – ordentlich – das Bord / an Bord – kommen
du – Uhr – die Kur – dumm – drunter
Käse – Häschen – ähnlich – grässlich
das Öl – der König – fröhlich – können – die Körner
die Düne – früh – dümmlich – dürftig /////

aber:

Ferien – Kroatien – Asien – Wien – Itzehoe – Laboe

Die sogenannten Zwielaute (Doppelvokale) oder Diphthonge des Deutschen sehen im Schriftbild so aus:

au – ei (ey, ai, ay) – eu / äu
die Mauer, auf die Pauke hauen
das Ei, heiter, Herr Meyer, Frau Mayer, der Mai
der Euro, die Leute, heute, die Häuser
Buchstabenfolge au Laut:
Zungenbewegung von a zu eher o als u
Buchstabenfolge ei bzw.
Varianten, ey / ay / ai Laut:
Zungenbewegung von a zu eher e als i
Buchstabenfolge eu / äu Laut:
Zungenbewegung von o zu i

Als Zusatz-Buchstaben des Alphabets A – Z gibt es die Umlaute ä ö ü und den Buchstaben ß , der lautlich für ein scharfes s steht:

die Füße, keine weiße Weihnachten, sondern nur hässliches, nasses Wetter

Der Buchstabe
s hat in der Realisierung als Laut zwei Varianten:

das weiche s (gesummt)
See, sehen, so, sehr, Sahne, …

üblicherweise bei Wortanfängen immer, es sei denn, es handelt sich um ein Wort aus anderen Sprache, die diese Regelung nicht hat: Sit-in (aus dem Engl. to sit)

das scharfe s (hart), für das aber nicht nur ein Buchstabe stehen kann, sondern manchmal auch die Verdoppelung ss oder das
ß los, das Moos, der Bus, nass, essen, er aß

bei den Buchstabenkombinationen

sch wird ein Zischlaut mit vorgestülpten Lippen realisiert,

bei

sp wird der obige Laut in Kombination genommen – bei Wortanfängen
st
die Schule, der Spaß, die Stadt, das Versprechen; der Ast, husten, die Espe, sich räuspern
Die Kombination ph für den Laut f veraltet allmählich zugunsten des Buchstaben f

Photographie, Geographie, Graphik / Fotografie, Geografie, Grafik

bei der Kombination th wie in Theater, Thron, Thema, ..
– viele Wörter aus dem Griechischen – ist das nicht der Fall.

In der Buchstaben-Kombination
-tion : wird das t ausgesprochen als ts
Nation – Station – Ration

Der Buchstabe f hat in der Aussprache einen „weichen Partner“, für den wir manchmal v , manchmal w schreiben; bzw. auch für den Buchstaben v kommt
Buchstabe v sehr häufig die „scharfe Variante“ vor:
Buchstabe w
für, fünf, vier, versprechen, völlig, die Vase, das Wasser, die Wohnung

Nur der Buchstabe g wird oft am Wortende „weich ausgesprochen“: „ch“

(der Tag: Tach! umgspr.), der König, richtig, völlig

meist aber, im Wortauslaut

wie die anderen b, d in der harten Variante -p- – t- -k- ausgesprochen

der Dieb, das Bad, der Tag, sag das!

Die Schreibung lernen die Schüler durch die Anwendung der sogenannten Verlängerungs-probe: die Diebe, die Bäder, die Tage, sagen; ein Bewusstsein um die andere Aussprache im Auslaut liegt daher kaum noch vor.

Die Buchstaben-
Kombinationen ch je nach vorausgehendem Element:

Ach! die Nacht, das Fach
Nicht wahr? das Licht, echt, freundlich
chs vor s gesprochen: ks:
sechs, der Fuchs, der Lach

wie auch bei

der Buchstabe x die Hexe, Max, das Taxi

Die Kombination pf die Pflanze, der Pfau, der Strumpf

sollte in der Aussprache eine ziemlich dicht beieinander liegende Aussprache haben, jedoch verflacht die (umgangspr.) auch oft zu einfachem f .

Hier hilft den Schülern das vorhandene Wissen um das Schriftbild.

Der deutsche Buchstabe z ist von der Aussprache her eine
Kombination aus t + s und zwar auch ziemlich dicht beieinander ausgesprochen!

zehn, der Zahn, die Zahlen, zerlegen
Wörter anderer Sprachen / lautlich noch Herkunftslautung, aber gramat. vereinnahmt:
Chaos, Krach, Ciao, Creme, Café, Cinema, Jeans, E-mail, Dschungel, Garage; googeln, downloaden .. downgeloaded / gedownloade

Der Buchstabe r hat von der Aussprache her sehr viele Freiheiten und wir reagieren da kaum drauf, d.h. akzeptieren die lautlichen Variationen:

das Reh, der Riss, verabreden, in Abrede stellen, …

am Wortende wird das r auch gern a- / e-mäßig ausgesprochen: Mutter, hier, das Ohr
oder die vorausgehenden Laute bekommen einfach eine Längung: Mdas Haar, die Saar, der Marder

Die Betonung bei den deutschen Wörtern (
1. Element / Silbe (stammbetont))

Decke, Arbeit, Kinder, …; Kaffeekanne, Apfelkuchen, Geburtstag,…

Beispiele für die Betonung nicht auf der 1. Silbe:
Holunder, Forelle, Tomatensuppe, Gemüsesuppe, Zigarette, Schokolade,…

In einigen Fällen wird jedoch eine unterschiedliche Betonung ´ auch zur Bedeutungsunterscheidung eingesetzt:

modérn – módern Tenór – Ténor dam´it – dámit

Eine Gruppe von Verben (trennbare / Präfixverben) haben die Betonung auf der Vorsilbe im anderen Fall liegt die Betonung auf dem Stammelement des Wortes:

einkaufen, anrufen, … werden im Deutschen auf ein- / an- betont, eine Betonung auf
-kaufen bzw. –rufen wird stark als nicht normgerecht empfunden.

Beispiele für beide Möglichkeiten

durchsuchen
Der Faden reißt durch. / Die Polizei durchsucht das Auto.
übersetzen
Die Fähre setzte sehr schnell über. / Der Autor übersetzt den Artikel auch.
umfahren
Das Auto fährt den Passanten einfach um. Der Fahrer umfúhr die Stadt.
wiederholen
Er holt den Ball wieder. / Sie wiederholt den Satz.

Umgangssprachliche Verschleifungen

Was? Hast du noch keinen Kuchen? Ich hab mir schon einen geholt.

Die Aussprache von keinen bzw. einen nähert sich der 1-Silbigkeit, wobei die Aussprache des n eine gewisse Längung erfährt: der Unterschied zu einem gehörten ein ist also nur geringfügig: So wird die Artikel-Zuordnung erschwert.

(„Das Lotteriespiel der Artikelzuordnung“; auch für die Pluralformen gibt es keine richtigen Lernmöglichkeiten, außer „immer mit dem jeweiligen Wort und Genus mit zu lernen“).

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