Protokoll vom 10. März 2009

Die Sitzung wird geleitet von Özlem Ünsal und Hussein Anaissi.

Top 1: Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit

Die Vorsitzende begrüßt die Mitglieder und Gäste des Forums. Die Beschlussfähigkeit ist gegeben.

Top 2: Genehmigung der Tagesordnung

Es gibt keine Änderungswünsche.

Top 3: Protokoll der Sitzung am 13. Januar 2009

Es gibt keine Anmerkungen.

Top 4: Termine

  • 27. März ab 9.30 Uhr ganztags: „Rassismus? Bei uns doch nicht!“, vormittags Fachhochschule, nachmittags KulturForum. Eine Kooperationsveranstaltung des Beauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen Schleswig-Holstein, des Referates für Migration der Landeshauptstadt Kiel, des AWO-IntegrationsCenter Ost, der Fachhochschule Kiel und des Forums für Migrant/innen in Kiel. Die Einladungsflyer werden dem Forum zugeschickt.
  • 22. Mai, 20.00 Uhr: Konzert, Bürgerhaus Kronshagen Deutsch-Indonesische Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Republik Indonesien und dem Arbeitskreis Kieler Auslandsgesellschaften. Eintritt frei, Spende erbeten zugunsten von Waisenkindern in Indonesien.

Top 5: Bericht des Vorstands und der Geschäftsführung

Bericht des Vorstands

  • Frau Ünsal gibt einen kurzen Rückblick zur Veranstaltung „Partizipation – nur ein Wort?“ am 10. Februar im KulturForum. Diese Veranstaltung fand in Kooperation des Referates für Migration, des Beauftragten für Flüchtlings- Asyl- und Zuwanderungsfragen und des Forums statt. Mit ca. 80 Teilnehmenden war die Veranstaltung gut besucht. Die Referate und Gesprächsrunde mit den Politiker/innen boten eine Fülle von Informationen und setzten ein Zeichen für das politische Ehrenamt.
  • Am 24. Februar hat ein erster Workshop im Rahmen des Projektes „Migration und kommunale Entwicklungszusammenarbeit“ stattgefunden, an dem sich Kiel als Modellkommune beteiligt. Eingeladen hat das Referat für Migration, die Moderation hat das Institut für soziale Innovation übernommen. Vertreten waren die Ratsfraktionen, die KiWi Kiel, die AKA, die Abteilung Städtepartnerschaften und Bevölkerungskontakte bei der Stadtpräsidentin, das BEI und das Forum. Eine Veranstaltung für einen größeren Kreis ist für den 7. Juli im Rathaus geplant.
  • Im Rahmen der Interkulturellen Wochen ist wieder eine gemeinsame Fachtagung der Europa-Union und des Forums geplant. Gespräche über Details sollen in Kürze stattfinden. Özlem Ünsal stellt die Frage, ob der Vorstand weiter in diese Richtung planen soll zur Abstimmung. Ohne Gegenstimmen und Enthaltungen stimmt das Forum für die Organisation des gemeinsamen Fachtages.

Aus dem Interreligiösen Arbeitskreis liegt inzwischen eine Stellungnahme zum Nahost-Konflikt vor. Frau Fuhrken als Vertreterin des Arbeitskreises weist darauf hin, dass alle Mitglieder des Arbeitskreises, die auch eigene Öffentlichkeitsarbeit machen, die Stellungnahme am 26. Februar verabschiedet haben. Das Forum hatte in seiner letzten Sitzung befürwortet, Aktivitäten, die zum Frieden aufrufen, zu unterstützen. Frau Fuhrken liest die Stellungnahme vor. Aus dem Forum gibt es keine Einwände, die Stellungnahme zu unterstützen. Sie wird dem Protokoll beigefügt und soll auf der Website des Forums veröffentlicht werden.

Bericht der Geschäftsführung
Birgit Lawrenz berichtet, dass das Schild „Kiel – Ort der Vielfalt“ aus Denkmalschutzgründen nicht im Bereich des Haupteinganges angebracht werden kann. Eine Anbringung im Bereich des Eingangs Waisenhofstraße wird zurzeit geprüft.
Im Rahmen des Resettlement-Programmes werden auch in Kiel irakische Flüchtlinge aus Syrien und Jordanien aufgenommen. In einem ersten Zuge wird es sich um ca. 8 Personen handeln, die zunächst vom Christlichen Verein betreut und untergebracht werden. Sie sollen so bald wie möglich aus den Gemeinschaftsunterkünften in eigene Wohnungen ziehen. Auch wird geprüft, ob ihnen von Anfang an ein Integrationslotse/Kulturpate zur Seite gestellt werden kann.
Für Interessierte an einem Türkischkurs für Kinder gibt Birgit Lawrenz die Information weiter, dass an der Volkshochschule auf Initiative einer städtischen Kollegin ein Kurs für Kinder von 8 bis 12 Jahren eingerichtet ist.
Die Vorsitzende des Forums und die Leiterin des Referates für Migration waren von Herrn Pasternak am 3. Februar zu einem Gespräch über die Kulturleitlinien eingeladen worden. Sie haben dort betont, dass Voraussetzungen für die aktive Beteiligung von Migrant/innen in allen Bereichen notwendig seien, auch um die Integration in den hiesigen Kulturbetrieb zu erleichtern. Außerdem wurde auf den Nationalen Integrationsplan hingewiesen, der ein besonderes Kapitel „Kultur und Integration“ enthält mit Maßnahmen der Länder und Kommunen.

Top 6: „Frühkindliche Sprachförderung“

Özlem Ünsal begrüßt die Vertreterinnen des Amtes für Schule, Kinder- und Jugendeinrichtungen und die Referentin. Einleitend berichtet Şafak Kuyumcu, verantwortlich für die interkulturelle Pädagogik an den städtischen Kitas, dass dort über 1.000 Kinder seien, die zwei- und mehrsprachig aufwachsen. Aus diesem Grund setzt man sich mit diesem Thema besonders intensiv auseinander.

In Gaarden wurde ein bundesweites Modellprojekt zur Sprachförderung von zweisprachigen Kindern durchgeführt. Wissenschaftlich begleitet wurde es durch Prof. Apeltauer von der Uni Flensburg. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Kinder besser begleitet und die Eltern einbezogen werden können. Die Erkenntnisse wurden auf die anderen Kitas übertragen. Wer interessiert ist, kann das Material bei Şafak Kuyumcu (Tel.: 901-3137) ausleihen.

Über das Projekt „Frühkindlicher Zweitsprachenerwerb und Elternkooperation“ berichtet die Sprachwissenschaftlerin Reyhan Kuyumcu, aus der Kita-Praxis ergänzt die Leiterin der Kita Osloring Ulrike Krauel. (Die Folien sind dem Protokoll beigefügt. Die Referentin bittet um Verständnis für die „abgeschnittenen“ Folien, die durch die Filmausschnitte begründet sind.

Im Jahr 2002 wurde in einer Gaardener Kita eine türkischsprachige Gruppe eingerichtet. Alle Kinder, die aufgenommen worden waren, hatten einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Apeltauer hat Frau Kuyumcu die Kinder über einen Zeitraum von 3 Jahren beobachtet, d. h. mit ihnen gesprochen und gespielt. Vor allem ging es um Elternkooperation, Literalität und Spracherwerb. Frau Kuyumcu erklärt, dass auch der Erstsprachenerwerb bei 3-jährigen Kindern noch einer Förderung bedarf, da er noch lange nicht abgeschlossen sei.

Der Begriff „Literalität“ wird definiert als Teilhabe aller Art von Schriftkultur. Literalität im Vorschulalter bedeutet, Umgang mit Schriftsprache und schriftsprachlichen Strukturen wie Erzählen, Lesen, Vorlesen, Schreiben und Medienkompetenz. Frau Kuyumcu stellt fest, dass in vielen Kulturen das gesprochene Wort weit mehr Gewicht als das geschriebene habe. Kinder sollen in beiden Sprachen Literalitätserfahrungen machen. Aus dem Forum wird die Frage gestellt, ob ein Kind überfordert wird, wenn es neben der deutschen Sprache auch intensiv die Muttersprache lernt. Eine andere Teilnehmerin empfiehlt, in der Familie die Muttersprache zu pflegen. Frau Kuyumcu bestätigt, dass dies von wissenschaftlicher Seite unterstützt würde. Nach neueren Erkenntnissen störe das Lernen der Muttersprache nicht, sondern sei eher die Grundlage. Je besser man die Erstsprache lerne, desto besser könne man auch die Zweitsprache lernen. Frau Kuyumcu gibt zu bedenken, dass der Begriff „Muttersprache“ nicht eindeutig sei und man heute eher die Begriffe Erst- und Zweitsprache verwende.

Fast immer sei eine Sprache dominant. Auch ein Hin-und Herspringen zwischen den Sprachen sei ganz natürlich, je nach Gesprächspartner oder Gesprächssituation. Die Erstsprache sei immer aktiv, auch wenn in der Zweitsprache gesprochen werde. Sie empfiehlt, mit dem Kind die Sprache zu benutzen, die man am besten spreche.

Frau Kuyumcu zeigt anschauliche Beispiele für die Unterschiede in gesprochener und geschriebener Sprache und die Problemkonstellationen für kleine Kinder dabei. Außerdem geht sie ein auf die Möglichkeiten von Eltern, ihre Kinder beim Spracherwerb zu unterstützen. Im Projekt wurden dazu Hör-CD’s von den Lieblinsbüchern der Kinder hergestellt. Dazu haben Eltern oder Geschwister die Texte gesprochen und dies sei für die Kinder eine interessante Erfahrung und etwas ganz besonderes. Frau Kuyumcu weist an dieser Stelle auf die Fortbildungen der Stadt zu Vorlesepaten hin, die in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus angeboten werden. Viele Eltern nutzen dies bereits. Ein besonderes Erlebnis für Kinder seien auch Aufführungen der Eltern in der Erstsprache oder Ausflüge wie Waldtage oder Theaterbesuche.

Frau Ünsal dankt der Referentin für die interessanten Informationen.

Top 7: Sicherheitsumfrage in Neumühlen-Dietrichsdorf

Frau Ünsal begrüßt als Gäste Herrn Schwarz und Herrn Lietzau. Herr Schwarz weist darauf hin, dass er nicht als Vertreter der Landesverkehrswacht, wie in der Einladung vermerkt, sondern als Vertreter des Rates für Kriminalitätsverhütung hier ist.

Er berichtet über eine geplante Untersuchung in Neumühlen-Dietrichsdorf zu Angst- und Gefahrenräumen (die Präsentation ist dem Protokoll beigefügt). Dies können z. B. Orte sein, an denen Menschen Angst haben oder auch an denen Verkehrsunfälle drohen. Durch Umfragen und Interviews sollen Erkenntnisse gewonnen werden zur tatsächlichen Situation im Stadtteil, denn die bisherige Statistik dokumentiere nur bekannt gewordene Straftaten. Es gebe aber auch Straftaten, die nicht angezeigt würden. Dieses Dunkelfeld soll ermittelt und das Sicherheitsgefühl abgefragt werden. Aus den Antworten soll herausgefiltert werden, wo Angsträume vorhanden sind und welche Probleme die Menschen in dieser Hinsicht beschäftigen. Daraus sollen Lösungsvorschläge für die Verwaltung erarbeitet werden. Die Erkenntnisse sollen eventuell auf ganz Kiel übertragen werden. In der Umfrage wird auch um konkrete Verbesserungsvorschläge gebeten. Die Umfrage erfolgt mit wissenschaftlicher Unterstützung der Uni Kiel.

Im unteren Teil des Fragebogens werden persönliche Fragen nach Alter, Geschlecht, Herkunft gestellt. Diese Fragen werden im Vorfeld noch mit Frau Ünsal und Frau Turan diskutiert.
Herr Schwarz stellt im Forum zur Diskussion, ob die Frage nach dem Migrationshintergrund differenziert zu stellen sei. Dies wird grundsätzlich bejaht und auch die Diskussion über die Frage nach dem Herkunftsland der Eltern ergibt, dass sie sinnvoll sei, wenn auch befremdlich für manche, insbesondere ältere Migrant/innen. Der Fragebogen wird in der nächsten Woche im Koordinationsrat des städtischen Rates für Kriminalitätsverhütung vorgelegt und auch noch einmal von der Uni geprüft.

Geplant ist, den Fragebogen über den Ostuferteil der KN zu verteilen sowie über Gewerkschaften, Vereine, Verbände und über die Schulen an Eltern. Im letzten Drittel des Jahres sollen die Ergebnisse präsentiert werden.

Das Forum begrüßt das Vorhaben und dass Migrant/innen besonders berücksichtigt werden. Aus dem Vorstand könnte die Übersetzung in Türkisch und Russisch sichergestellt werden.

Top 8: Internationale Bibliothek

Frau Boller berichtet, dass es sich bei der Internationalen Bibliothek noch um eine Idee handelt und sie viel Unterstützung bis zur Realisierung brauche. Zum Hintergrund erklärt sie, dass sie ein Buch auf Portugiesisch in der Stadtbücherei ausleihen wollte, jedoch keine in portugiesischer Sprache vorhanden waren. Die Überlegung, dass dies auch für andere Sprachen gilt, führte zu der Idee, sich mit Menschen zusammenzutun, die vor ähnlichen Problemen stehen. Frau Boller hält es für wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem nicht nur Bücher in verschiedenen Sprachen ausgeliehen werden können, sondern sich Menschen verschiedener Kulturen begegnen und verstehen können. Für Kinder, die zweisprachig aufwachsen, könne damit die Lust am Lesen gefördert werden.

Es wird zurzeit ein geeigneter Ort gesucht, der gern im Zentrum liegen solle. Gedacht ist dabei an einen Raum, in dem z. B. auch Vorlesenachmittage für Eltern und Kinder stattfinden können. Gesucht wird außerdem eine Person, die die Ausleihe organisiere. Frau Römer-Jacobs begleitet die Aktivitäten im Rahmen des „Projekte-Projektes“ der AWO. Frau Boller bittet um die Unterstützung des Forums.

Özlem Ünsal hält eine internationale Bibliothek für eine große Bereicherung in Kiel und bittet Frau Boller um eine schriftliche Vorlage, um die Angelegenheit zu besprechen und evtl. weiterleiten zu können. Sie rät, zu prüfen, ob es eine Zusammenführung mit bereits vorhandenen Büchereien in den Vereinen geben könnte. Ratsherr Schulz schlägt vor, mit „Gaarden liest“ in Verbindung zu treten. Er wird mit dem kulturpolitischen Sprecher in der Fraktion die Möglichkeiten erörtern.

Aus dem Forum wird zu bedenken gegeben, dass ein nicht unerheblicher Aufwand nötig wäre, um Auskunft und Ausleihe verantwortlich zu organisieren und regelmäßige Öffnungszeiten zu gewährleisten. Herr Atlı berichtet von Erfahrungen mit der türkischen Bibliothek bei der Türkischen Gemeinde. Um eine solche Einrichtung lebendig zu halten und auch als Treff zu nutzen, sei die Aktualität wichtig. So müssten auch z. B. Tageszeitungen abonniert werden. Auch neue Bücher müssten angeschafft werden, da die Menschen mit alten Büchern schwer zu begeistern wären. Dabei stelle sich die Frage nach der Finanzierung dieser Bücher. Die Erfahrungen aus der türkischen Bibliothek haben gezeigt, dass ein Angebot von 2.500 Büchern für ein bleibendes Interesse nicht ausreichte.

Top 9: Informationen aus Ausschüssen und Beiräten

Aus dem Ausschuss für Soziales, Wohnen und Gesundheit berichtet Oxana Stahlke über einen Zwischenbericht des Projektes „Frühe Hilfen für Familien mit Kindern im Alter von 0 – 3 Jahren in Kiel-Gaarden“. Vorgesehen sind in dem Projekt auch Hausbesuche durch eine türkischsprachige Kinderkrankenschwester in Kooperation mit der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein. Der Beginn ist für das 2. Quartal 2009 vorgesehen.

Aus dem Ortsbeirat Mettenhof berichtet der dortige Vorsitzende Herr Böttcher von seinem Vorhaben, Ende April/Anfang Mai einen Runden Tisch für alle Institutionen und Menschen einzurichten, die sich im Stadtteil Mettenhof mit dem Migrantenbereich befassen. Es ginge um die Fragen, wo man stehe, wer was mache und was in den nächsten 4 Jahren bewegt werden könne. Über die Homepage der Stadt Kiel können unter Ortsbeiräte/ Mettenhof Informationen abgefragt werden. Herr Böttcher bittet um Interessenbekundungen über seine E-Mail-Adresse, die auch auf der Seite des Ortsbeirates zu finden ist.
Darüber hinaus kündigt Herr Böttcher als Vertreter des Mettenhofer Rates für Kriminalitätsverhütung eine mehrsprachige Veranstaltung im neuen Bürgerhaus in Mettenhof zum Thema Sicherheitsberater an.

Top 10: Neue Mitglieder

Es gibt keine neuen Mitglieder.

Top 11: Sonstiges

Es gibt keine Beiträge unter diesem Top.

Birgit Lawrenz

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