Protokoll vom 13. Juli 2010

Die Sitzung wird geleitet von Özlem Ünsal.

Top 1: Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit

Die Vorsitzende begrüßt die Mitglieder und Gäste des Forums. Die Beschlussfähigkeit ist gegeben.

Top 2: Genehmigung der Tagesordnung

Es gibt keine Änderungswünsche. Die Tagesordnung wird genehmigt.

Top 3: Protokoll der Sitzung am 11. Mai 2010

Das Protokoll wird ohne Änderungswünsche genehmigt.

Top 4: Termine

Es liegen keine Termine vor.

Top 5: Bericht des Vorstands und der Geschäftsführung

Bericht des Vorstands

  • Özlem Ünsal berichtet, dass der Forumsvorstand zur Auftaktveranstaltung zur Erarbeitung eines kommunalen Integrationsplans für Rendsburg mit einem Einstiegsvortrag über die Kieler Erfahrungen vertreten war. Angefragt hatte hierzu der Rendsburger Bürgermeister Herrn Breitner.
  • In Lübeck hat sich ein Forum bereits gegründet, in Preetz ist eine Gründung geplant.
  • Özlem Ünsal weist auf die Tischvorlage hin. Sie besteht aus einer Stellungnahme des Forums aus dem Jahre 2007 sowie aktuellen Presseartikeln zur geplanten Schließung des Kulturforums und der Stadtgalerie.
  • Das Forum spricht sich gegen eine Schließung aus und der Vorstand wird eine Stellungnahme vorbereiten.
  • Es gäbe keine vernünftige Alternative zum Kulturforum, da es aufgrund seiner zentralen Lage und guten Verkehrsanbindung vielfach von Mitgliedern des Forums genutzt wird. Das Ausweichen auf die Musikschule sei indiskutabel, was auch Frau Dickhoff aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Frau Siebke bekräftigt die Sorgen um eine Schließung.
  • Der Vorstand wird auf die migrationspolitischen Sprecher und Sprecherinnen der Fraktionen zugehen und einzelne Forumsmitglieder, wie zum Beispiel den AKA, gesondert einbinden. Die AKA setzen sich mit ihren Mitgliederorganisationen ebenfalls aktiv für die Erhaltung des Kulturforums ein.
  • In diesem Zusammenhang verweist Özlem Ünsal auch auf das kürzlich im Forum vorgestellte Integrierte Stadtentwicklungskonzept der Landeshauptstadt Kiel (In- sekk), welches einen Schwerpunkt im kulturellen Angebot sieht.

Bericht der Geschäftsführung

  • In Vertretung von Birgit Lawrenz greift Petra Iwahn das Thema Weitergabe der Adressen der Forumsmitglieder aus der letzten Forumssitzung auf. Bis zum 15. August hat jedes Mitglied die Gelegenheit, seine Einverständniserklärung zur Weitergabe seiner Daten zu geben.
  • Petra Iwahn weist auf ausliegendes Infomaterial hin: Die Flyer „Migrationsberatung in Kiel“ und „Referat für Migration“ wurden aktualisiert. Die Broschüren „Kiel global“ sowie „Akademie Klausenhof“ liegen aus.
  • Am 17. Juni tagte der Ausschuss für Soziales, Wohnen und Gesundheit, bei dem über den Abschluss des Modellprojektes „Entwicklungszusammenarbeit auf lokaler Ebene“ berichtet und die Broschüre „Kiel global“ vorgestellt wurde.
  • Am Donnerstag, den 23. September beginnen die Interkulturellen Wochen mit einer Veranstaltung in der Fridtjof-Nansen-Schule, dem Hans-Geiger-Gymnasium, dem RBZ Technik und der Heinz-Dahlinger-Halle. Unter dem Thema „Weiter durch Bildung“ sollen sich Eltern, Jugendliche und Lehrkräfte am Vormittag über das deutsche Bildungs- und Schulsystem informieren können, am Nachmittag wird ein Interkulturelles Fest gefeiert. Eine große Herausforderung ist dieses Jahr das Erreichen der Eltern mit diesem Thema. Petra Iwahn weist darauf hin, dass das Referat für Migration dabei angewiesen ist auf die Unterstützung aller Forumsmitglieder. Nach den Sommerferien gibt es dazu nähere Informationen.

Top 6: Vorstellung der Ergebnisse der Sicherheitsumfrage in Neumühlen-Dietrichsdorf

Özlem Ünsal begrüßt als Referenten Herrn Hans-Dieter Schwarz, der die Ergebnisse der Sicherheitsumfrage des Kieler Rates für Kriminalitätsverhütung vorstellt. Die Präsentation ist dem Protokoll beigefügt.

Von Juni bis November 2009 wurden 6.000 Fragebögen in Deutsch, Türkisch und Russisch über die Ostuferzeitung, Schulen, Kindergärten, Vereine und Seniorenwohnheime an die Bevölkerung verteilt. Mit wissenschaftlicher Begleitung wurden anschließend die 238 Rückläufer ausgewertet. Unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten kann zwar nicht von einer repräsentativen Umfrage gesprochen werden, die Veranstalter sehen aber die Umfrageergebnisse als akzeptable Arbeitsgrundlagen, da die 238 Teilnehmenden eine Vielzahl von vernünftigen, realistischen und auch umsetzbaren Vorschlägen zur Diskussion gestellt haben. Zu bedauern war, dass sich lediglich 3 Personen mit Migrationshintergrund an der Umfrage beteiligt haben.

Mit diesem Umfragepilotprojekt hat der Kieler Rat für Kriminalitätsverhütung folgende Ziele verfolgt:

  1. Gewinnen von Erkenntnissen über das subjektive Sicherheitsempfinden der Bewohnerinnen und Bewohner von Neumühlen-Dietrichsdorf.
  2. Identifizierung von Angst- und Gefahrenräumen im Stadtteil.
  3. Erarbeiten von Lösungsvorschlägen zur Optimierung des subjektiven Sicherheitsempfindens und der Kriminalitäts- und Verkehrssicherheitslage im Stadtteil.
  4. Gewinnen von Hinweisen für eine evtl. Übertragbarkeit derartiger Umfragen auf andere Stadtteile.

Ergebnisse:
Das subjektive Unsicherheitsgefühl ist bei 238 Teilnehmenden mit 406 (Mehrfach-) Nennungen deutlich höher als die gemeldeten Opferzahlen von 85 Personen mit 137 angegebenen T aten. Die Verbrechensfurcht steigt mit zunehmendem Alter an.
Das Unsicherheitsgefühl ist bei Frauen (202=85%) stärker ausgeprägt als bei Männern (36=15%). Die durch die Umfrageergebnisse identifizierten Angst- und Gefahrenräume decken sich mit der in der Grafik des Kieler Lage- und Analysesystems (KLAS) abgebildeten Kriminalitätslage.
Im Ergebnis ist ein Zusammenhang zwischen tatsächlicher Kriminalitätslage und Bedrohungsängsten im jeweiligen Bereich bestätigt worden. Die Teilnehmenden haben 470 Maßnahmen zur Optimierung des Sicherheitsgefühls sowie der Kriminalitäts- und Verkehrsunfallprävention vorgeschlagen, die von der Verwaltung und der Polizeidirektion Kiel auf ihre Realisierbarkeit überprüft und stufenweise umgesetzt werden sollen.

Fazit für zukünftige Umfragen:
Unabhängig von den erreichten Zielen muss unter Abwägung von Aufwand und Nutzen die Frage diskutiert werden, ob weitere Umfragen in anderen Stadtteilen – und wenn ja, mit welchen Methoden und welchen Fragestellungen – durchgeführt werden sollten. Herr Schwarz weist in seinem Vortrag unter anderem auf die Möglichkeit hin, bei festgestellten Beleuchtungsmängeln diese auf der Internetseite (idee@kiel.de) der Landeshauptstadt Kiel bzw. telefonisch unter 0431/901-44 55 zu melden. Des weiteren bittet er um konkrete Wünsche oder Vorschläge für Plätze, die Jugendlichen „zum Austoben“ angeboten werden könnten (rfk.schwentinemuendung@web.de).
Özlem Ünsal dankt Herrn Schwarz für diese aussagekräftige Präsentation und gibt das Wort an das Forum.

Fragen aus dem Forum
Auf Nachfragen aus dem Forum nach Schulungen für den Bereich Prävention weist Herr Schwarz auf die Möglichkeiten von kostenlosen Vorträgen und Schulungen durch Sicherheitsberater und -beraterinnen hin sowie auf mehrsprachige Flyer zu diesem Thema. Frau Schwarz vom Caritasverband erkundigt sich nach Schulungen speziell für Jugendliche zu den Themen Deeskalation und Opferschutz. Diese wurden früher von der Polizei angeboten, heute bieten viele Sportvereine, zum Beispiel TUS Gaarden oder der Landessportverband, diese Veranstaltungen an.
Frau Dönen weist darauf hin, dass für die Meldung von Verletzten zuerst die Notrufnummer 112 genutzt werden solle. Herr Schwarz bestätigt dieses, in den meisten Fällen gäbe es aber einen Zusammenschluss der Notrufnummern 110 und 112. Er betont, dass die Bevölkerung dazu ermutigt werden solle, die „Servicenummer der Polizei, 110“ häufiger zu nutzen.

Top 6a: Standbetreuung Sicherheitsmesse 3. September 2010

Das Forum wird während der dreitägigen Sicherheitsmesse am Eröffnungstag, dem 3. September, den Stand Nr. 4 im Bereich Haupteingang betreuen. In unmittelbarer Nachbarschaft stehen Beirat für Senior/innen, Leitstelle Älter werden in Kiel und der Rat für Kriminalitäts- verhütung. Der Stand misst 4 x 6 m und muss von 9.00 bis 18.00 Uhr betreut werden. Um 13.00 Uhr findet die offizielle Eröffnung der Sicherheitsmesse statt.
Der Forumsvorstand wird Mitglieder zur Standbetreuung ansprechen.

Top 7: Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen in der kultursensiblen Pflege

Özlem Ünsal begrüßt die Referentinnen Frau Yvonne Hamer vom Malteser Hilfsdienst und Frau Katrin Wiesebrock von Berlitz Deutschland.

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen – und damit auch der pflegebedürftigen Menschen mit Migrationshintergrund – und der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt speziell für Arbeitnehmer und Arbeitsnehmerinnen mit Migrationshintergrund, entwickelten der Malteser Hilfsdienst und Berlitz einen Qualifizierungslehrgang zur Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen in der kultursensiblen Pflege. Diese Ausbildung erstreckt sich über neun Monate und beinhaltet die Teilnahme an unterschiedlichen Modulen (die Präsentation ist dem Protokoll beigefügt).

Modul 0: Intensivteil Sprache im Beruf
Modul 1: 200 Stunden Basisqualifikation Pflegehilfe für die ambulante und stationäre Pflege
Modul 2: Kultursensible Pflege, Integration kulturbedingter Besonderheiten im Pflegealltag
Modul 3: Integration in das gesellschaftliche Umfeld
Modul 4: Beschäftigung, Betreuung, Begleitung von Senioren mit dem Schwerpunkt Akti-
vierung und Erhaltung von Ressourcen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter
Modul 5: Hauswirtschaftliche Hilfen und Ernährung im Alter
Modul 6: Demenzkranke verstehen und begleiten
Modul 7: Palliativbegleitung – Begleitung bis zuletzt
Modul 8: Grundlagen der Betriebswirtschaft zur Gestaltung von Angeboten
Modul 9: Mithilfe in der Behandlungspflege und Dokumentation
Modul 10: Bewerbungstraining mit dem Schwerpunkt, durch Projektarbeit sein praktisches Können zu dokumentieren

Abschluss: Kolloquium, Präsentation der Abschlussarbeit

Dieser Kursaufbau beinhaltet abwechselnd theoretische Inhalte, Vermittlung von zusätzlichen Deutschkenntnissen und Praktika. Die Maßnahme beginnt am 30. August 2010, die bisherigen Informationsveranstaltungen wurden gut genutzt, derzeit seien aber noch Plätze frei.
Özlem Ünsal dankt den beiden Referentinnen für ihre interessante Präsentation und eröffnet die Fragerunde.

Fragen aus dem Forum
Auf die Frage nach der Kursgröße antworten die Referentinnen, dass mindestens 10, maximal 20 Personen teilnehmen könnten.
Ratsherr Sharif Rahim erkundigt sich nach den Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen der Ausbildung und Einsatzbereiche. Die Interessierten müssten mindestens 17 Jahre alt sein, ein Hauptschulabschluss sei nicht notwendig, allerdings Deutschkenntnisse auf dem Level von A2, sie müssen sich also verständigen können. Zudem wird ein Interesse an dem Arbeitsbereich Pflege vorausgesetzt. Das Tätigkeitsprofil entspricht dem einer Pflegehilfskraft, die in der Betreuung zum Beispiel von Demenzkranken, in der Gruppenarbeit oder im Hauswirtschaftsbereich eingesetzt werden kann.

Auf die Frage nach der Kostenübernahme für diese Qualifizierung antworten die Referentinnen, dass die Arge und das Jobcenter über Bildungsgutscheine diese Qualifizierung, die ungefähr 5.700,- € kostet, übernehmen könnten, diese auch als Erstausbildung anerkennen, es sich aber nicht um einen Ausbildungsberuf handelt.

Zu den Verdienstmöglichkeiten können die Referentinnen keine genauen Angaben machen, schätzen aber, das es circa die Hälfte eines Krankenschwesterngehaltes ist.

Frau Wydanka, als Gast im Forum anwesend, erzählt von eigenen Erfahrungen mit dieser Qualifizierung und dass aus ihrem Kurs, der mit 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gestartet sei, nach einem Jahr nur noch 5 Personen in der Pflege tätig waren. Auch sei der Anteil der Qualifizierten, die zusätzlich auf unterstützende Zahlungen nach SGB XII angewiesen seien, hoch.

Auf die Frage von Frau Dickhoff, wie Alleinerziehende der Anwesenheitspflicht ohne Kinderbetreuungsgarantien nachkommen sollten, verweist Frau Hamer auf eine bestehende Kooperation mit der Caritas.
Özlem Ünsal bedankt sich nochmals für diese angeregte Diskussion und bittet die Anwesenden, das Angebot der Qualifizierung zur Fachkraft in der kultursensiblen Pflege in ihren Bereichen bekannt zu machen.

Top 8: Forumsveranstaltungen in den Interkulturellen Wochen

Das Forum für Migrantinnen und Migranten ist Mitveranstalter an zwei Terminen:

  • „Bilder machen Leute – Zur medialen Wahrnehmung des Islam in Deutschland“
    am 27. September von 17.00 bis 20.00 Uhr in der Pumpe
  • „Ausländische Schulen in Deutschland – Fluch oder Segen“
    am 28. Oktober von 18.00 bis 21.00 Uhr im Landeshaus
  • Oxana Stahlke berichtet von der Sitzung des Sozialausschusses am 17. Juni. Das Mehr-Generationen-Haus Vinetazentrum wurde mit seinen vielfältigen Angeboten für Migrantinnen und Migranten vorgestellt. Beim Rückblick auf das Modellprojekt „Kiel global“ wurden besonders die gut funktionierenden Schulpartnerschaften hervorgehoben und die bundesweite Vorbildfunktion der vorliegenden Broschüre. Das Bündnis Eine Welt (BEI) ist sehr interessiert an einer weiteren Zusammenarbeit mit dem Forum.
  • Aus dem Kulturausschuss berichtet Edina Dickhoff. Behandelt wurden die drohende Schließung der Theater, die Nutzungsmöglichkeiten für das Lessingbad und das Projekt „Kulturpfade im Internet“. Frau Dickhoff wünscht sich, dass in diese Stadtkarte auch die Beratungsstellen für Migrantinnen und Migranten aufgenommen werden und regt eine Verknüpfung mit der Forumsseite an.

Top 9: Informationen aus Ausschüssen und Beiräten

Top 11: Neue Mitglieder

Es wurden keine neuen Mitglieder aufgenommen

Top 12: Sonstiges

Die viersprachig arbeitende Physiotherapiepraxis Gaarden ist sehr interessiert an der Zusammenarbeit mit dem Forum und fragt nach der Möglichkeit einer Mitgliedschaft. Die Vorsitzende erklärt, dass die Praxis nicht als Firma Mitglied werden könne, aber es bestände die Möglichkeit der Personenmitgliedschaft.

Petra Iwahn

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