Protokoll vom 12. Oktober 2010

Die Sitzung wird von Özlem Ünsal geleitet.

Top 1: Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit

Die Vorsitzende begrüßt Mitglieder und Gäste des Forums. Die Beschlussfähigkeit ist gegeben.

Top 2: Genehmigung der Tagesordnung

Es gibt keine Änderungswünsche. Die Tagesordnung wird genehmigt.

Top 3: Protokoll der Sitzung am 14. September 2010

Frau Cisneiros Dallmeier hat einige Ergänzungen an Frau Lawrenz weitergegeben, die in das Protokoll aufgenommen werden: Unter Punkt 7 (Integrationsbericht) wird im letzten Absatz ergänzt,

  • dass es sich bei dem Projekt mit Erzieher/innen um ein Projekt der Arbeitsgruppe Internationale Bibliothek Kiel handelt in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei,
  • dass es sich bei dem im Anschluss erwähnten Projekt nicht um ein landes- sondern ein bundesweites Projekt NEPS – Nationales Bildungspanel handelt.

In dem Protokoll, das an Ausschüsse und Website weitergeleitet wird, werden diese Änderungen berücksichtigt. Das Protokoll wird genehmigt.

Top 4: Termine

Özlem Ünsal erinnert an die noch folgenden Veranstaltungen im Nachklapp der Interkulturellen Wochen:

  • 13. Oktober, 11.00 Uhr, Fachhochschule: „Campus Rallye“ (Interkulturelle Wochen)
  • 28. Oktober, 18.00 Uhr, Landeshaus: Muttersprachliche Schulen in Deutschland (Anmeldungen sind noch möglich) (Interkulturelle Wochen)
  • 25. Oktober, 9.30 – 17.00 Uhr, Fachhochschule: Fachtagung „Migration & Bildung“
  • 4. November, 14.00 – 17.00 Uhr, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bad Segeberg:
    Psychischer Druck durch Migration? Suizidgefährdung bei Frauen mit Migrationshintergrund (Landesarbeitskreis Migration und Gesundheit).
  • 6. November, 14.00 – 18.00 Uhr, ZBBS, Sophienblatt 64a: Dolmetschen üben
  • 13. November, 14.00 – 18.00 Uhr, Diakonisches Werk, Am Alten Kirchhof 16, Neumünster:
    Übersetzungs-Wettbewerb & Erfahrungen mit Agenturen/ Dolmetsch-Büros

Reinhard Pohl berichtet in Ergänzung zur Diskussion zu Integrationskursen in der letzten Sitzung, dass statistisches Zahlenmaterial zu den Themen Zulassungen, Verpflichtungen,

Teilnahme und Abschlüsse bis zur November-Sitzung des Landtages vorliegen soll. Im Dezember könnte darauf im Forum eingegangen werden.

Ebenso wurden 124 Seiten Änderungsanträge für das Ausländerrecht im Bundestag eingereicht. Herr Pohl bietet an, darüber in einer der nächsten Sitzungen zu referieren.

Top 5: Bericht des Vorstands und der Geschäftsführung

Bericht des Vorstands

  • Arbeitskreis Antirassismusveranstaltung: Frau Ünsal berichtet über die Vorbereitung für eine Veranstaltung im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus. Im März 2011 werden zwei Konzerte mit verschiedenen Jugendbands stattfinden. Für die Erstellung einer CD konnten sich Gruppen mit antirassistischer Musik und Texten bewerben. Als Veranstaltungsräume dienen die Räucherei und die Pumpe. Weitere Informationen gibt es in den nächsten Sitzungen.
  • Der ursprünglich für November geplante Bericht des Forum in der Ratsversammlung wird auf Anregung des Büros der Stadtpräsidentin verschoben auf die Januarsitzung, da für November bereits der Bericht des Beirates für Menschen mit Behinderung vorgesehen ist.
  • Frau Ünsal macht darauf aufmerksam, dass das Thema Migration auch im letzen Chat mit dem Oberbürgermeister behandelt wurde. Das Protokoll sei auf der Website der Stadt Kiel abzurufen.
  • In Berlin wurde im Rahmen der Islamkonferenz eine AG zum Thema „junge Migrant/innen“ geplant. Die Ausschreibungsfrist läuft derzeit und Özlem Ünsal bittet um die Weitergabe dieser Information an interessierte Migrantenorganisationen.
  • Die Fachhochschule Kiel bietet am 25.10.2010 eine interdisziplinäre Fachtagung zum Thema Migration und Bildung an.
  • Zum Schluss macht Frau Ünsal auf den neuen Flyer des Fördervereins Gaarden aufmerksam.

Bericht der Geschäftsführung

  • Birgit Lawrenz informiert darüber, dass der Integrationsbericht 2009 am 7. Oktober in der Ratsversammlung vorgestellt wurde und nun in Druck gegeben wird.
  • Die Stellungnahmen des Forums zu Migrationsberatung und KulturForum sind an die jeweiligen Adressaten geschickt worden.
  • Die Dezember-Sitzung des Forums findet voraussichtlich zeitgleich mit der Tagung des Rates für Kriminalitätsverhütung statt. Da dieser im Ratssaal tagt, könnten die Redebeiträge über Mikrofon die Sitzung des Forums stören. Das Forum beschließt, in diesem Fall die Sitzung in die Rotunde zu verlegen.
  • Eine Kurzinformation zu der im November geplanten Gesundheitskonferenz mit einem Schwerpunkt zu Migrant/innen wurde als Tischvorlage verteilt. Fragen und Anregungen dazu nimmt Anja Reimers (Tel.: 239 50 05) entgegen.
  • Birgit Lawrenz bedankt sich bei allen Beteiligten der Interkulturellen Wochen für das Engagement und die gute Zusammenarbeit. Das Thema Bildung sei sehr gut angenommen worden und die Hälfte der Veranstaltungen haben sich mit diesem Thema befasst.

Top 6: „Beteiligung von Migrantenselbstorganisationen an der Arbeitsmarktintegration in der Landeshauptstadt Kiel“

Die Vorsitzende begrüßt die Referent/innen Nico Sönnichsen und Derya de Lor aus dem Dezernat IV sowie Cemalettin Özer von MOZAIK aus Bielefeld. Herr Sönnichsen stellt das RÜM-Team vor, das am 1.9.2009 in Kiel gestartet ist. Zum Team gehören auch Peter Dohse und Dr. Malgorzata Mielczarek. RÜM bedeutet, Regionales Übergangsmanagement mit dem Ziel der Optimierung des Übergangs Schule und Beruf.
Derya de Lor gibt zunächst allgemeine Informationen zum RÜM-Projekt. Anhand von statistischen Daten sollen Handlungsbedarfe ermittelt werden, bereits bestehende Angebote sollen verknüpft, besser abgestimmt und koordiniert werden, um so eine höhere Transparenz über das vorhandene Angebot zu gewährleisten. Die Übersicht „Schule – und dann?“ ist inzwischen in drei verschiedenen Sprachen fertiggestellt worden.

Besonderes Anliegen in der heutigen Sitzung ist, mit dem Forum die Gründung einer Interessengemeinschaft innerhalb des RÜM-Projektes zu diskutieren. Hier sollen insbesondere die Migrantenorganisationen einbezogen werden mit dem Ziel, die Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Die Koordinierung soll zunächst die Kommune übernehmen, später soll sie auf eigenen Beinen stehen. Die Interessengemeinschaft soll dazu dienen, Informationen auszutauschen, Ansprechpartner aus den Migrantenorganisationen zu informieren, so dass diese die Infos weitergeben können, aber auch auf Missstände und Wünsche hinzuweisen, gemeinsam Konzepte zu entwickeln. Hier können Handlungsempfehlungen für Politik, Wirtschaft und Migrantenorganisationen erarbeitet werden (die Präsentation ist dem Protokoll im Anhang beigefügt).

Cemalettin Özer stellt zunächst seine Gesellschaft, die MOZAIK GmbH in Bielefeld, vor, die seit 2003 aktiv in der Arbeitsmarktintegration von Migrant/innen tätig ist. Die Tätigkeitsfelder umfassen Entwicklung und Umsetzung interkultureller Projekte und Konzepte, Förderung der beruflichen Qualifizierung, Beratung bei interkultureller Personal- und Organisationsentwicklung sowie die Förderung interkultureller Dialog- und Kooperationsarbeit. Seine Organisation ist beauftragt, die Begleitvorhaben zur „Perspektive Berufsabschluss“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bundesweit zu unterstützen.

Herr Özer beschreibt Gründe, Hindernisse und Barrieren für eine erfolgreiche Arbeitsmarktintegration. Besonders relevant seien Aufenthalts- und arbeitsrechtliche Hindernisse, fehlende interkulturelle Kompetenzen, strukturelle Diskriminierung sowie Rassismuserfahrungen von Migrantinnen und Migranten. Große Bedeutung für die Förderung von Jugendlichen habe das Elternhaus. Über die Beteiligung von Migrantenorganisationen können breite Gruppen von Migrant/innen erreicht werden, eher als durch Flyer, Borschüren etc. Daher haben diese Organisationen eine große Bedeutung für die Bildungsintegration. Sie können als Informationsvermittler, als Interessenvertreter, als Expertengremium für die Zielgruppe, als Kooperationspartner und als Träger für Integrationsprojekte fungieren. Dadurch würden durchschnittlich ca. 60% aller Migrantinnen und Migranten erreicht. Innerhalb des Projektes sollen Bildungsbeauftragte aus den Vereinen gewonnen werden, die im Bereich des Bildungs-, Ausbildungs- und Weiterbildungssystems qualifiziert werden und diese Informationen dann in den Vereinen weitergeben können. Nachdem zunächst pro Standort mit einer Beteiligung von 4 – 5 Migrantenorganisationen gerechnet wurde, sei die Partizipation und das Interesse der Migrantenorganisationen aber weit größer.

Da das Projekt im September 2011 auslaufe, aber eine Nachhaltigkeit angestrebt werde, werde parallel nach Möglichkeiten der Finanzierung über Kommunen, Länder oder Stiftungen je nach Standort gesucht. (Die Präsentation ist dem Protokoll im Anhang beigefügt, weitere Informationen können im Internet auf der Seite www.bildung-interkulturell.de abgefragt werden.)

Özlem Ünsal bedankt sich bei den Referent/innen und freut sich, dass die Kommune auf das Forum zugegangen ist und die Federführung für das Projekt übernommen hat. Das Forum und auch viele Mitgliedsorganisationen beschäftigten sich auf verschiedene Weise mit diesem Thema, eine spezielle Arbeitsgruppe hierzu gebe es jedoch bisher nicht.

Dr. Anaissi fordert die Chancengleichheit für alle ein und appelliert daran, keine Unterschiede zwischen Migranten und Nicht-Migranten zu machen. Insbesondere die Schulen hätten die Verantwortung für Abschlüsse und Weiterleitung der Jugendlichen. Die erforderlichen Maßnahmen sollten in das Regelsystem integriert werden. Hier gibt Herr Özer zu bedenken, dass der Prozess der Integration jetzt erst richtig begonnen habe. Viele seien das Thema Leid, aber die Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik sei erst jetzt in die konkrete Umsetzung gegangen. Er fordert auch die Migrantenorganisationen auf, sich stärker zu engagieren, gute Konzepte vorzulegen und nicht nur zu kritisieren.

Nico Sönnichsen erklärt, dass die Interessengemeinschaft zwei unterschiedliche Funktionen habe, zum einen, sich konkret um die berufliche Zukunft für junge Leute zu kümmern, und zum zweiten, eine politische Lobby für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu sein, die noch nicht genug Gehör in der Gesellschaft haben.

In der weiteren Diskussion wird bemängelt, dass insbesondere Schulen, ARGEN und Jobcenter zu wenig in die Diskussion involviert seien und gefordert, dass alle relevanten Akteure in die Debatte eingebunden werden müssen. Je nach Stadtteil seien auch große Unterschiede in der Beteiligung von Eltern festzustellen. Es sei schwierig, sie über Netzwerke zu erreichen. Nicht alle Migrantinnen und Migranten hätten die Integration zum Ziel. Diese seien ganz besonders schwer zu erreichen. Hier müssten Aktivitäten unbedingt noch während der Schulzeit einsetzen.

Herr Sönnichsen betont, dass mit dem neuen Projekt der Interessengemeinschaft erst einmal bescheidene Ansprüche verbunden seien und in kleinen Schritten für das Thema sensibilisiert werden solle, in Kita, Schule, Elternhaus oder Ausbildungsbetrieb. Sie erhofften sich, ein Stück weiterzukommen und nähmen die Diskussion im Forum mit als Zustimmung, die Idee weiter zu entwickeln.

Top 7: Sitzungstermine 2011

Das Forum spricht sich mit Mehrheit dafür aus, sich in Zukunft jeweils am 1. Dienstag im Monat zu treffen, um den Magistratssaal nutzen zu können. Die August-Sitzung, die in die Sommerferien fällt, soll entfallen (die endgültigen Sitzungstermine für 2011 sind dem Protokoll beigefügt).

Top 8: Informationen aus Ausschüssen und Beiräten

Es liegen keine neuen Informationen aus Ausschüssen und Beiräten vor.

Top 9: Neue Mitglieder

Es gibt keine Veränderung gegenüber dem Vormonat.

Top 10: Sonstiges

Es wurden keine Themen behandelt.

Protokollführung:
Maria Ott/ Birgit Lawrenz

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