Protokoll 05.07.16

17.00 Uhr Magistratsaal

Die Sitzung wird von Dursiye Aytekin geleitet.

Top 1: Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit
Dursiye Aytekin begrüßt die Mitglieder und Gäste des Forums und wünscht allen Muslimen ein
frohes Bayram-Fest.
Die Beschlussfähigkeit ist gegeben.

Top 2: Genehmigung der Tagesordnung
Es gibt keine Änderungswünsche zur Tagesordnung.

Top 3: Protokoll der Sitzung am 7. Juni 2016
Es gibt keine Änderungswünsche. Das Protokoll ist damit genehmigt.

Top 4: Termine
Bei Protokollversand sind die genannten Termine bereits verstrichen.

Top 5: Bericht des Vorstands und der Geschäftsführung
Bericht des Vorstands
– Am Sonntag, den 19. Juni fand im Rahmen der Landesgartenschau in Eutin das Landestrachtenfest statt. Die Vorsitzende dankt der Deutsch-Philippinischen Gesellschaft, die mit ihrer Tanzgruppe dort aufgetreten ist. Sie habe von allen Seiten ein sehr positives Feedback zu diesem Auftritt erhalten.
Dursiye Aytekin appelliert an die Mitglieder des Forums, sich an Diskussionsveranstaltungen wie „Ein südländisch aussehender Mann“, die am 14 Juli im Rathaus stattfindet, zu beteiligen. Die Diskussionsveranstaltung sei eine Reaktion auf die Darstellung von Männern mit vermeintlichem Migrationshintergrund in den Medien. Die Vorfälle zum Beispiel im Sophienhof seien auch Thema im Forum gewesen. Das Forum sollte zu Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Vorurteilen klar Stellung beziehen und Präsenz zeigen.
– Am 16. Mai wurde die Facebook-Seite des Forums Online gestellt. Die Administration/
Redaktion wird der Vorstand übernehmen. Informationen, die auf der Seite veröffentlicht
werden sollen, daher bitte an Dursiye Aytekin schicken.
– Dieter Valiev berichtet von der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Wohnen und Gesundheit am 30. Juni. Hier hat das Referat für Migration als Antwort auf einen Antrag der CDU-Ratsfraktion eine geschäftliche Mitteilung vorgelegt. In der GM wird über die derzeitigen Aufgabengebiete des Referates informiert. Auch das Forum für Migrantinnen und Migranten wird darin erwähnt. Außerdem hat die Stadt Kiel eine Aufstellung der aktuellen Kosten für Flüchtlinge vorgelegt. Da beide Vorlagen interessant für das Forum sein können, werden sie über den Verteiler verschickt.
– Ben Diogu berichtet, dass er an dem letzten Vorbereitungstreffen für die Internationalen
Wochen gegen Rassismus 2017 teilgenommen hat. Die Thematik wird sich um die Fragestellung „Wir – wer ist das wir“? drehen und Aspekte wie Identität, Fremdheit und Deutschsein behandeln.
– Beim letzten Treffens der Foren in Schleswig-Holstein am 30. Juni konnte das Kieler Forum aus Termingründen nicht teilnehmen.

Bericht der Geschäftsführung
– Birgit Lawrenz wünscht den Anwesenden, auch im Namen des Referats für Migration, alles Gute zum Zuckerfest.
– In der letzten Sitzung wurde die Ausweitung der Rechte von den Delegierten des Forums
in Ausschüssen etc. thematisiert. Birgit Lawrenz hat sich diesbezüglich mit dem Büro des
Stadtpräsidenten in Verbindung gesetzt und viele Informationen bekommen. Sie wird diese
zunächst mit dem Vorstand besprechen. Für Fragen und weiteren Informationsbedarf steht
das Büro des Stadtpräsidenten gern zur Verfügung.
– Die Leitstelle für Menschen mit Behinderung hat zurzeit eine Förderung von inklusiven
Projekten ausgeschrieben. Bereits im letzten Jahr gab es dazu eine Information im Forum. Die Ausschreibung wird über den Verteiler verschickt.

Top 6: Vorstellung der Projekte „Gaardener Elternlotsen“ und „Dock Schule“
Kirsten Knetsch, Rajaa Coskun und Naomi Rad stellen zwei Projekte der DAA-Kiel vor.
Das Projekt der Gaardener Elternlotsen wurde 2012 initiiert und wird aus Mitteln der Schulsozialarbeit gefördert.
Die Aufgabe der Elternlotsen besteht vor allem darin, eine Art Brücke zwischen Eltern mit Migrationshintergrund und den Schulen zu bilden. Das deutsche Schulsystem ist diesen Eltern oft
unbekannt, nicht zuletzt auch wegen der Sprachbarriere. Bisher arbeiteten zwei Elternlosten in
Gaarden, seit Juli 2016 wurde eine neue Stelle geschaffen. Die Elternlosten können daher jetzt
die Sprachen Farsi, Arabisch, Französisch, Türkisch und Kurdisch bedienen.
In Ergänzung zu den Gaardener Elternlotsen gibt es das Projekt „Dock Schule“. Es hat eine
thematisch ähnliche Ausrichtung, richtet sich jedoch explizit an Eltern und Kinder mit Fluchterfahrung. Außerdem bietet es ergänzend zum DaZ-Unterricht auch Sprachförderung an.
Die Gaardener Elternlotsen und Dock Schule teilen sich ein Büro in der Hans-ChristianAndersen-Stadtteilschule. Von dort können sie auch für andere Schulen angefragt werden.
Rajaa Coskun erklärt, dass die Elternlotsen sowohl von den Schulen und Ämtern als auch von
den Eltern angefragt werden, damit sie bei Verständigungsschwierigkeiten zwischen den einzelnen Akteuren vermitteln. Sie würden beispielsweise bei Elterngesprächen oder auch auf Elternabenden übersetzen und so dafür sorgen, dass auch nicht deutschsprachige Eltern an den Treffen teilnehmen können.
Da es an der Hans-Christian-Andersen-Schule DaZ-Klassen gibt, findet ein Großteil der Beratung und der Aktivitäten auch dort statt.
Wenn die Kinder aus den DaZ-Klassen an die verschiedenen Schulen in Gaarden verteilt werden, unterstützen die Projekte Dock Schule und Gaardener Elternlotsen diesen Prozess mit Beratungsangeboten für die Eltern. Die Beratung richtet sich aber nicht nur an die Eltern. Lehrkräfte können, beispielsweise bei kulturell bedingten Missverständnissen, ebenfalls Beratung in Anspruch nehmen.
Die Projekte beinhalten viele außerschulische Angebote für Kinder und deren Eltern. So gibt es
einmal die Woche ein Angebot der ästhetischen Bildung, bei dem sich die Kinder spielerisch
und künstlerisch ausleben können.
Für die Eltern gibt es Deutschkurse, auf freiwilliger Basis, und einmal in der Woche ein Elterncafé, wo sich alle zu einem unbefangenen Small-Talk treffen und kennenlernen können.
Naoomi Rad erklärt, dass das Projekt Dock-Schule erst im August 2015 initiiert wurde.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen arabisch, türkisch, rumänisch, englisch, spanisch, portugiesisch und französisch.

Dursiye Aytekin vermutet, dass in den Beratungssituationen auch viele der Eltern ihre Briefe
übersetzt und erklärt bekommen möchten. Sie fragt, ob dafür überhaupt Kapazitäten vorhanden
seien. Kirsten Knetsch erklärt, dass diese Art von Unterstützung nur bis zu einem gewissen
Grad möglich sei, sonst aber auch zu anderen Beratungsstellen übergeleitet würde.
Sie weist auch auf das Projekt „BeSt+Romani“ hin, das in Zusammenarbeit mit dem Verband
der Sinti und Roma eine offene Beratung für Roma anbietet, sowie auf die Anlaufstelle BeStWerftstraße für Menschen aus Bulgarien und Rumänien. Flyer zu den verschieden Projekte wurden ausgelegt.

Shamal Zangana vermutet, dass in den Beratungsgesprächen auch sensible Themen zur Sprache kommen und fragt, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Datenschutz umgehen.
Kirsten Knetsch erklärt, dass sie Daten und Informationen generell nur nach ausdrücklicher Genehmigung weitergeben, und zwar auch nur, wenn dies für den Sachverhalt nötig sei.
Edina Dickhoff lobt die Arbeit in Gaarden und fragt, ob es Projekte wie Dock-Schule und die
Elternlotsen auch in anderen Stadtteilen gäbe. Kirsten Knetsch erklärt, dass die DAA nur für
den Bereich Ost zuständig sei, es jedoch in anderen Stadtteilen ähnliche Angebote in Form von
Sprach- oder Bildungsmittlern gibt. Es wird vorgeschlagen, beim zuständigen Dezernat nachzufragen, wie die Versorgung in den anderen Stadtteilen ist. Ben Diogu sagt zu, dies im Vorstand zu besprechen.

Dr. Parulan-Holzhüter fragt, ob die Projekte auch ein Unterstützungsangebot für die Eltern hätten, dass auf Bildung oder berufliches Weiterkommen abzielt. Frau Knetsch erklärt, dass für die Eltern vor allem Sprachkurse angeboten werden. Sie würden jedoch auch bezüglich beruflicher Perspektiven beraten, bzw. weitervermittelt.

Der Vorstand dankt den Referentinnen für ihre wertvolle Arbeit und ihren Bericht.

Top 7: Beratungsstelle „Faire Mobilität“
Ida Mikolajczak und Helga Zichner informieren über die Beratungsstelle vom DGB für Beschäftigte aus Mittel- und Osteuropa in Kiel. Die Beratungsstelle ist Teil des Projektes „Faire Mobilität“, das für eine soziale, gerechte und aktive Arbeitnehmerfreizügigkeit eintritt.
Es wurde 2011 gegründet und sollte ursprünglich im Oktober 2014 enden. „Faire Mobilität“ läuft jedoch immer noch und eine erneute Weiterbewilligung ist beantragt.
Ida Mikolajczak erklärt Trägerschaft, Ziele und Maßnahmen des Projekts sowie die konkrete
Arbeit der Beratungsstelle in der Legienstraße. Ziel sei es, faire und sozial gerechte Arbeitsbedingungen für mobile Beschäftigte aus den MOE-Staaten zu schaffen, durch frühzeitige Informationen für Prävention zu sorgen, für die Thematik der Arbeitnehmerfreizügigkeit zu sensibilisieren und durch eine Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit für eine Verbesserung der Situation von mobilen Arbeitnehmern zu sorgen.
Bundesweit wurden neben Kiel noch sechs weitere Beratungsstellen mit unterschiedlichen
Schwerpunkten aufgebaut.
Helga Zichner erklärt, dass man unter mobilen Beschäftigten Menschen versteht, die hier keinen festen Wohnsitz haben, sich also nur zum Arbeiten in Deutschland aufhalten.
Viele sprechen kein oder nur wenig Deutsch und befinden sich in prekären Beschäftigungsverhältnissen. Die Probleme drehen sich meist um unzureichende Entlohnung, dubiose Arbeitsverträge, einen unsicheren Krankenversicherungsstatus sowie schlechte Wohnbedingungen in der Arbeiterunterkunft.
Helga Zichner betont, dass sie großes Interesse an einem Informationsaustausch mit anderen
(Migrations)beratungsstellen hätten und sehr an einem Aufbau von Netzwerken interessiert
seien, damit sie Klientinnen und Klienten bei Bedarf optimal weitervermittelt könnten.
Die Beratung in Kiel kann auf Deutsch, Englisch, Rumänisch und Polnisch erfolgen.
Bei Bedarf könne man aber auch telefonisch die Sprachkompetenzen der anderen Beratungsstellen in Deutschland in Anspruch nehmen. Um beraten zu werden, muss man nicht Mitglied im DGB sein.

Shamal Zangana fragt, ob die Beratungsstelle auch bei der Anerkennung von ausländischen
Zeugnissen etc. behilflich sein könnte. Ida Mikolajczak antwortet, dass dies nicht möglich sei, in
solchen Fällen jedoch an die entsprechenden Stellen weitervermittelt würde.
Sadik Ayhan stellt viele Parallelen zu dem Zuständigkeitsbereich von Betriebsräten fest und
fragt, ob so nicht Parallelstrukturen geschaffen würden. Helga Zichner erklärt, dass es teilweise
keine Betriebsräte gäbe, außerdem wüssten viele Betroffene oft gar nichts von deren Existenz
oder deren Aufgaben. Auch würden die mangelnden Deutschkenntnisse dazu führen, dass die
ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich keine Hilfe bzw. Informationen beschaffen könnten. Sie betont, dass die Beratungsstelle keine Konkurrenz zu den Betriebsräten sein will, sondern vielmehr an Kooperationen interessiert sei.

Herr Ayhan lädt die Referentinnen ein, an einem der monatlichen Treffen bei der IG Metall teilzunehmen und das Projekt bekannt zu machen.

Dursiye Aytekin dankt den beiden Referentinnen für ihren Beitrag.

Top 8: Berichte aus Arbeitskreisen, Ausschüssen und Beiräten
Dr. Evadne Parulan-Holzhütter berichtet, dass der Seniorenbeirat sich über die Situation von
Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund informieren möchte. Sie habe sich, in ihrer
Funktion als Delegierte des Forums, dazu bereit erklärt, in der nächsten Sitzung einen kleinen
Vortrag dazu zu halten. Dafür bittet sie um Mithilfe der Forumsmitglieder.

Edina Dickhoff erinnert an das „Netzwerk Ältere Migrant/innen in Kiel“, das es zu dieser Thematik gegeben habe. Die Ergebnisse könnten vielleicht hilfreich sein. Außerdem gäbe es viele Pflegedienste, die sich auf Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund spezialisiert hätten.

Da das Thema sehr komplex ist, wird vorgeschlagen, den Vortrag im Beirat zunächst als einen
ersten Einstieg in das Thema zu verstehen. Interessierte Forumsmitglieder werden eine kleine
Arbeitsgruppe bilden, um für einen solchen Vortrag zu recherchieren und Ideen zu sammeln.
Dursiye Aytekin organisiert das Treffen.

Top 9: Mitgliederänderung
Für den AWO Landesverband Schleswig-Holstein sind Nadine Kühl anstelle von Violetta
Seelig-Kiss und Stefan Klotz anstelle von Niklas Muhlack Vertreterin/Vertreter im Forum. Frau
Kühl stellt sich kurz vor.
Ausgeschieden sind Serhat Yaşar und Erol Küçükaras von MED e.V.

Top 10: Sonstiges
Ursula Schele, Leiterin des Präventionsbüros Petze, gibt einen kurzen Überblick über das Tätigkeitsfeld. Die „Petze“ liegt in der Trägerschaft des Frauennotrufs und bietet Schulungen, Fortbildungen und zahlreiche Informationsmaterialien an, vor allem zur schulischen Prävention von sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen. Viele Materialien sind auch in verschiedene Sprachen übersetzt. Neuerdings bieten sie auch Schulungen für Ehrenamtliche in der Migrationsarbeit zu dem Thema Umgang mit Nähe und Distanz an.
Ursula Schele wirbt für die gemeinsame Veranstaltung mit dem Rat für Kriminalitätsverhütung
„Ein südländisch aussehender Mann…“ am 14. Juli im Rathaus. Sie betont, dass das Thema
sexualisierte Gewalt stark instrumentalisiert werde von rechtsextremen Kräften. Die Diskussionsveranstaltung will mit Sachinformationen dagegen angehen. Es sei wichtig, zu solchen
Themen klar Position zu beziehen.

Dr. Mohammad Baland stellt sich als Vorstandsmitglied eines neuen kurdischen Vereins vor.
Auch weitere Mitglieder sind anwesend. Der Verein möchte Mitglied im Forum werden und sich
bei einer der nächsten Sitzungen offiziell vorstellen.

Nadine Kühl stellt sich dem Forum als neue Ansprechpartnerin für die Servicestelle für Partizipationsgremien vor.

Die Vorsitzende schließt die Sitzung um 18:45 Uhr.

Protokoll: Jenny Vargas Gebauer

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