Rasissmus im Fußball

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Am 23. März war das Beratungsnetzwerk gegen Rechtsextremismus Schleswig Holstein Mitinitiator der Veranstaltung ‚Der Ball ist schwarz-weiß’, die Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus im Fußball thematisierte.

Nach einleitenden Worten des Beauftragten für Flüchtlings-, Asyl- und Zuwanderungsfragen, Wulf Jöhnk und von Pierre Freyber, dem Landeskoordinator des Beratungsnetzwerkes, gab es zwei Impulsreferate zum Thema.

Christopher Vogel vom Mobilen Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtsextremismus aus Kassel stellte in seinem Vortrag fest, dass das Problem des Rassismus und des Rechtsextremismus in der 1. und 2. Fußballbundesliga inzwischen weitgehend eingedämmt sei. Durch gute Überwachung und polizeiliche Maßnahmen und nicht zuletzt durch öffentliche Kampagnen sei dem Thema in den letzten Jahren offensiv begegnet worden. Rassismus und Rechtsextremismus gebe es inzwischen hauptsächlich in den Landes- bzw. Kreisligen. Vor diesem Hintergrund reiche es nicht aus, sich auf teure Kampagnen für ‚Fair Play’ oder ‚Gegen Gewalt’ zu beschränken, nötig sei vielmehr eine langfristige spezielle Förderung von Migrantenvereinen, die sehr oft gute Arbeit insbesondere auf der Ebene der Kreisliga leisteten. Rassismus gebe es aber auch bei der Bestrafung von Fußballern mit Migrationshintergrund durch Sportgerichte. So belege eine Studie, dass Spieler mit Migrationshintergrund bei gleichen Straftaten weitaus härter bestraft würden als herkunftsdeutsche Fußballer. Weiterhin stellte er die Frage, inwieweit Migranten in den Verbandsebenen integriert seien.

Der zweite Vortrag bot Dr. Tim Cassel vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband die Möglichkeit, sein Projekt gegen Gewalt und Diskriminierung im schleswigholsteinischen Fußballsport ‚Schleswig-Holstein kickt fair’ vorzustellen. Das Anfang 2007 gegründete Projekt hat sich zur Aufgabe gemacht, neben der wissenschaftlichen Dokumentation und Analyse von Vorfällen in Schleswig Holstein inhaltliche Konzepte für fußballspezifische Präventions- und Konfliktlösungsmaßnahmen zu entwickeln. Dazu gehört unter anderem die Ausbildung von Multiplikatoren für Schlichtungs- und Integrationsarbeit. Besonderes Augenmerk legte Cassel auf die vom Verein entwickel- ten alternativen Sanktionsmöglichkeiten gegenüber auffällig gewordenen Spielern. So gibt es inzwischen die Möglichkeit, neben der bisherigen „Höchststrafe“ des Platzverweises den Spieler zu verpflichten, auch an einem präventiven Konflikttraining teilzunehmen.

Nach einem musikalischen Beitrag von Leman Stehn aus Hamburg diskutierten neben Tim Cassel und Christopher Vogel noch Wulf Jöhnk, Klaus-Michael Pötzke, vom Landessportverband Schleswig Holstein, Holger Hasse, Profifußballer von Holstein Kiel und Kerem Bayrak, Integrationsbeauftragter des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes und Vertreter von Inter Türkspor Kiel e.V.

Profifußballer Holger Hasse schilderte als Auftakt seine Erfahrungen mit Rassismus. Für den aus Sachsen stammenden Hasse, der 1993 kurz nach den rechtsextremistischen Brandanschlägen in Solingen war, war dieses schändliche Verbrechen ein Schlüsselerlebnis in Bezug auf Rassismus und Rechtsextremismus.


Auch das Projekt ‚Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit’ gründete sich laut Pötzke nach den rechtsextremen Mordanschlägen in Mölln und hat sich zur Aufgabe gemacht, über ein offenes Sportangebot, Jugendliche für ein friedliches Miteinander zu gewinnen. Die niedrigschwelligen Projektangebote, wie Straßenfußball, Streetball, aber auch Hipp Hopp- und Boxkurse seien von sozialen Lernzielen für die Jugendlichen geleitet.

Kerem Bayrak erläuterte die Frage nach dem Entstehen von so genannten ethnischen Vereinen. Der Verein Inter Türkspor Kiel, so Bayrak, sei inzwischen kein ethnischer Verein mehr, weil dort Sportler verschiedener Nationalitäten Mitglied sind. Inter Türkspor Kiel sei 1989 vor dem Hintergrund gegründet worden, dass vielen türkischen Gastarbeiten klar wurde, dass sie nicht mehr in die alte Heimat zurückkehren würden. Das erklärte Ziel der Vereinsgründer war es, sich für die Mitmenschen zu engagieren und etwas für zukünftige Generationen zu schaffen. Man wollte sich für die Integration der türkischen Bevölkerung einsetzen, und anerkannte Mitglieder der Gesellschaft mit allen Rechten und Pflichten werden.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Frage nach der notwendigen Integration von Migranten in Vereine und Verbände. Tim Cassel stellte fest, dass bei den Spielen von Holstein Kiel oder Lübeck kaum Migrantinnen und Migranten in den Fankurven sitzen, während es St. Pauli geschafft habe, über eine langjährige Fanarbeit genau diese Zielgruppe an ihren Verein zu binden. Auf einen anderen Missstand wies Bayrak hin: In den vierzehn existierenden Kreisverbänden des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands ist er der einzige Migrant.

Im weiteren Verlauf der Podiumsdiskussion kam die Frage aus dem Publikum, warum sich Fußballvereine so schwer damit tun, sich offensiv von Rechtsextremismus und Rassismus distanzieren. Als eine Erklärung wurde die Angst vor finanziellen Verlusten angeführt, eine andere war, dass es vereinzelt nicht nur Ordner aus dem rechten Spektrum gibt, sondern dass es auch ganz autonom verwaltete Fangruppen gibt, die eher aus dem rechten Lager stammen. Trotzdem gebe es viele Vereine, die etwas unternehmen und sich eindeutig positionieren. Ein andres Problem sei die „Hierarchisierung von Diskriminierung“. So wurde laut Cassel die Anklage gegen einen Fußballer, der einen schwarzen Spieler als ‚schwarze Sau’ beschimpft hatte fallen gelassen, als sich herausstellte, dass er ihn ‚nur’ als ‚schwule Sau’ beschimpft hatte. Aber auch Jöhnk konnte sich aus seiner Zeit beim Fußball über den aggressiven Ton unter Fußballern erinnern, bei dem es schon mal zu homophoben und sexistischen Beschimpfungen kam. Wo aber genau die Grenzen des noch Akzeptablen zu ziehen sind, konnte auf dem Podium nicht abschließend geklärt werden.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Veranstaltung einen Problemaufriss über den aktuellen Stand der Projekte und Ansätze gegen Rassismus im Fußball in Schleswig Holstein geleistet hat. Für Antworten die Frage nach neuen Handlungsmöglichkeiten und Erweiterungen der vorhandenen Programme und Strategien bedarf es
aber wohl einer weiteren Veranstaltung.

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